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Vishudda-Chakra Do Yoga! Rock! Oder: Die heilsame Wirkung vom Tönen, Singen, Mit-Teilen

Erst moshen, dann meditieren; Hauptsache: mitteilen. Nachdem jahrelang Rot- und Magentatöne dominiert hatten (sie stehen fürs Muladhara- oder Wurzelchakra, das Erdung symbolisiert), fühle ich mich seit einigen Monaten unerklärlich häufig zur Farbe blau hingezogen.

Jetzt wurde mir klar, warum. Die letzte Woche stand bei mir nämlich endgültig und offensichtlich (und vor allem hörbar) im Zeichen des Vishudda-Chakra (Farbe: hellblau, Bija-Mantra: HAM), das in der Kehlkopfregion sitzt. „Es steht auch für den Raum, den wir uns für unsere Entfaltung selbst zugestehen. Wenn wir uns vor Angst klein machen, so heißt es, dann schnürt es uns die Kehle zu“, schreibt Mahashakti Ute Engelen.

Zunächst zog es mich mit meiner Baby-Band JETSUN, die gerade ein Jahr wurde und nun laufen lernt, auf die Bühne des Bastard Clubs hier an der Hase.

Jetsun live im Bastard

Gleich zu Anfang packte mich eine Asthma-Attacke im verrauchten „Mutti’s“, der Kneipe im Bastard, dicht gefolgt vom inneren Schweinehund, der sich beschwerte: „Warum liegen wir jetzt nicht auf der Couch, wie es sich für Muttis Ü40 gehört, hä? Was willst Du hier, was soll das noch?“ Die Stimme war weg; die Angst, mich der Lächerlichkeit preiszugeben, schnürte mir tatsächlich buchstäblich die Kehle zu und nahm mir den Atem. Klar, da sprachen sieben Jahre babybedingte Bühnenpause plus der faul von der Allgemein-Meinung übernommene Satz „Rockenrohl is a young people’s game“ – oder so. Heimlich beäugte ich den Ausgang und war innerlich schon am Abschwirren.

Dann half aber alles nix, und Mami und die Jetsuns mussten aufe Bühne, wie man im Pott sagt. Und…es war wie radfahren; irgendwie war alles noch da. Wir rockten, was die Röhren hergaben; Mutti ließ raus, was lange angestaut rumgedämmert hatte. Alles brach sich Bahn, und die Menschen vor der Bühne mischten, wippten und grinsten mit – ein großartiges Erlebnis, wenn einen die Musik gemeinsam wegträgt und man wortlos auf einer Welle der gleichen Energie schwimmt.

Mein Schutzengel war an dem Abend wohl Viv Albertine, immerhin schon Ü60 – und kein bisschen leise,

turning all the stereotypes of women too grown up for rock on their heads. Carrie Brownstein calls Albertine’s live performance one of the most fearless things she’s ever seen. “[W]hen someone is brave enough—honest enough—to confront the difficulty of it all,” Brownstein writes on her NPR blog, “the strange, often irreconcilable dichotomy of being a mother and an artist, a woman and an artist (and why should it be a dichotomy?), frankly, it’s scary as hell.

Ja, Mutter und Künstlerin zu sein, und dann noch „of a certain age“ – das macht schon mal Angst. Man macht sich sichtbar und hörbar und fällt aus dem vorgesehenen Rahmen.

Und wisst Ihr was? Das tut total gut. Seiten von sich nicht begraben zu lassen, die doch noch so lebendig sind – und machen. À propos lebendig: Die gleichermaßen menschlich bezaubernden wie musikalisch naturgewaltigen Tiroler von den White Miles, deren Vorband wir sein durften an unserem Abend als Debutanten.

Medina of White Miles

Medina und Lofi sind herzzerreißend jung, brachial, zärtlich und sexy und gleichzeitig alt, weise und „world-weary“ in ihrem Sound. Und werden von Lofis Papa quer durch Europa kutschiert. Väter und Mütter, glaubt an Eure Kinder! Und an Euch selbst. Tut, was Euch und Ihnen guttut. Denn es ist kein Zufall, dass in diesen Bildern die Farben rot und blau gemeinsam dominieren:

Die innere aufrechte Haltung, die erforderlich ist, um einen angemessenen Entfaltungsraum zu füllen, wächst auf der Basis von Vertrauen in den Fluss des Lebens und einer gesunden Spiritualität. Beides bedingt sich gegenseitig. Das Vertrauen hat seine Wurzel im Muladhara-Chakra. Die Spiritualität kommt im Vishuddha-Chakra ins Spiel. Erst wenn wir erkennen können, dass der Lebensweg ein Entwicklungspfad ist und dass alles was uns geschieht Sinn macht, können wir unser Vishuddha-Chakra entfalten.

Und so habe ich vier Tage nach dem Gig auch gleich noch was getan, was mir eigentlich Angst macht, und meinen ersten Yoga-Workshop gehalten, gemeinsam mit meinem alten Band-Kollegen aus der Schulzeit, Jan Schowalter von Rhythm Moves in Kaiserslautern. Morgens wurde mitsamt Bija-Mantras (ja, in echt der Plural!) auf die Chakras (dito re. Plural) meditiert und ins Ashtanga reingeschnuppert, mittags haben wir spirituelle Lieder aus aller Welt gesungen.

Jan SChowalter im Rhythm Moves, KL

Beides war wunderbar, es gab rührend schönes Feedback und mein Impostor-Syndrom, so typisch für uns Muttis Ü40, ist erstmal kuriert. Und vielleicht geht es Dir, die Du dies liest, ja nun so ähnlich wie Lars, einem Besucher unseres Konzerts: „Du, ich wollte Dir danken. Ich bin auch Papa, und während Eurer Show habe ich meinen alten Bandkollegen ’ne WhatsApp geschrieben, dass wir unbedingt wieder Musik machen müssen.“

Wie sagt unser Lokalheld und heimlicher Oberbürgermeister der Herzen, Christian Steiffen? „Blau ist Osnabrück am schönsten.“ Nicht nur Osnabrück; Vishudda-Chakra sei Dank. Egal, was Dein Über-Ich oder die gemeine gesellschaftliche Gepflogenheit Dir anderes suggerieren mögen: Mund aufmachen, mitteilen, losfliegen. Und jetzt Du: BÄM, äh, HAM!

Balloons in a blue Kibo sky


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