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Schöner Scheitern In Farbe und nur original mit R. M. Rilke

Scheitern ist in. Mega-in, wenn man dem obersten Indikator für teutonische Hipness glaubt: In Berlin veranstalten sie eine Tagung dazu. Endlich! Kaum wartet man drei bis fünf Jahre, bis die Werke der US-Amerikanerinnen Brené Brown („The Importance of Failure“!) und Glennon Doyle Melton („Carry On, Warrior“) bei uns ein alter Hut sind, wird ihr Thema als der letzte heiße Scheiß auch hierzulande zu Markte getragen.

Toll, denn irgendwie war genau das Gescheitertsein immer mein Ding. Nicht erst seit einer Folge atemberaubend unerfolgreicher Bands. Auch nicht erst seit unverfilmten Drehbüchern, unstattgefundenen Konferenzen oder kaltgestellten akademischen Karrieren. No, Sir! Schon meine Mutter meinte in schöner Regelmäßigkeit, leichten Vorwurf im Ton: „Kind, Du kannst alles ein bisschen, aber nichts richtig!“

Richtig.

Ich ritt, tanzte Ballett und spielte Basketball für jeweils fünf; das Klavier hielt es immerhin acht Jahre mit mir aus. Gemalt habe ich immer gern (und wie mir mein Opa und mein Kunstlehrer versicherten, auch gut), hörte aber prompt für immer damit auf, als ich mit 19 an der Aufnahmeprüfung der Kunsthochschule, Achtung! Mega-in!, scheiterte. Die Prüfung hätte ich wiederholen können (die Mappe war mit dem Hochmut der Jugend in nur drei Wochen zusammengekloppt gewesen), aber, dem Trend voraus, umarmte ich stattdessen mein Scheitern und studierte, was alle Scheiterer studieren: die Werke anderer Gescheiterter, auch bekannt als Literatur.

Bis mich vor ein paar Jahren, in einer dunklen Zeit, von der ich vielleicht ein andermal erzähle, der Pinsel wieder packte – und kurz darauf die Einsicht, dass es noch nicht genug „lustige“ Yoga-Motive auf T-Shirts, Karten und Kaffeetassen gibt. Bald daher hier bei Bright Idea: Krishnamacharya AKA „Brett Pitt“ im, äh, Brett und andere Schlechte Grafiken. Um die Wartezeit zu verkürzen, hier jetzt schon vorab ein Schlechtes Ölbild eines Rilke-Zitats.

Und gratis dazu die Erkenntnis: Scheitern braucht kein original amerikanisches Happy End à la Brown oder Doyle Melton („Wie ich dann doch noch erfolgreich wurde, dank meines Scheiterns“ etc.). Denn der Weg ist das Ziel:

Und Anfang glänzt an allen Bruchstell’n unseres Misslingens.

Lasst uns weiter glänzen!


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