Kategorie:

Magnus Brunkhorst Hoflieferant seiner Majestät des Königs von Bulgarien

Dieser Titel wurde dem Kunsthändler Magnus Brunkhorst, meinem Urgroßvater, 1910 in Lübben im Spreewald verliehen. Auf dem Bild ist sein gleichnamiger Sohn zu sehen, mein Opa „Machnus“, in doppelter Ausführung.

Mein Großvater, Magnus Brunkhorst, Künstler und Kampfpilot

Zwei Seelen wohnten in seiner Brust; als Kind und auch lange ins Erwachsenenleben hinein kannte ich nur eine davon: die des sensiblen, in sich gekehrten Künstlers. Was mir vollends erst nach seinem Tod vor ein paar Jahren klar wurde: Mein sanfter Opa war auch Pilot im sogenannten „Richthofen-Geschwader“ und lieferte sich, für Volk und Vaterland oder aber fürs eigene Überleben (letzteres kann ich mir nicht helfen zu hoffen), in einer winzigen Messerschmidt Luftkämpfe mit Piloten englischer Spitfires, gedopt mit Schoka-Kola. Ein belgischer Geschichtsforscher hatte meinen Vater kontaktiert: Er hat ein Buch über dieses berüchtigte, nach dem „Roten Baron“ benannte Geschwader geschrieben mit dem Titel „Der Himmel über Frankreich“. Darin sieht man, unter vielen anderen Bildern von ihm, ein Foto meines Großvaters, wie er von Göhring irgendeine Auszeichnung verliehen bekommt.

Ich kriegte das lange nicht zusammen, diese beiden Seiten meines stillen Opa „Machnus“, der sich nie wehren konnte gegen meine resolute Oma Erna, die ihm immer mehr auftat, als er zum Mittagessen schaffte oder wollte, mit den Worten „esse, Mann, esse!“; und der stets leise warnte, wir müssten wachsam bleiben vor Fremdenfeindlichkeit und anderen intoleranten Tendenzen in der Gesellschaft. Über die Engländer hatte er nur Gutes zu berichten (da kannte ich das Bild noch nicht, das ihn vor dem Wrack einer von ihm abgeschossenen Spitfire zeigt); und mit „so hat das damals auch angefangen…“, kommentierten er und meine Oma oft die Abendnachrichten, wenn ich als Dreikäsehoch mal wieder bei ihnen übernachtete und wir „Stullen“ oder „Broiler“ verputzten vor dem Fernseher und sie an ihrem Schwarztee mit Rum und Kandis nippten. An der Wand hingen Spreewald-Studien in Aquarell und Öl, und zu Ostern bemalte er mit uns Kindern liebevoll und geduldig ausgeblasene Ostereier mit meisterhaften, winzigen Details kleiner Entchen, Häuschen und Blümchen.

So gerne würde ich von ihm hören, wie das damals alles war, und ob es wirklich kein Entrinnen davor gab, sich für den Führer und seine wahnhaften, entsetzlichen Ziele ein ums andere Mal auf Höllenfahrtskommandos zu begeben. Oder ob er am Ende gar selbst noch an irgendetwas davon glaubte. Auf so viele Fragen gibt es nun nie mehr eine Antwort; man muss sich das Unfassbare irgendwie versuchen, zusammenzureimen.

Das Bild, schätzungsweise irgendwann zwischen 1930 und 1940 entstanden, hilft ein klein wenig dabei. Ich wüsste nur gern, wann genau dieser Unbekannte namens Magnus Brunkhorst es aufnahm und, lange vor Photoshop-Zeiten, künstlerisch bearbeitete, sodass er sich selbst mitten ins Herz zu schießen scheint. Aber auch das ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hol Dir hier die neusten Artikel und Angebote ins Haus!Wortgewidder Newsletter