Kategorie: ,

Liebe Lou Ein neuer Film über Andreas-Salomé

Tochter nach ihr benannt? Check. Große Teile meiner Doktorarbeit über sie geschrieben? Check. An der Uni Seminare über sie gegeben? Check.

Doch – man kann sagen, ich liebe Lou Andreas-Salomé. Darum entstand vor etwa 11 Jahren auch ein Treatment für ein Drehbuch über ihr Leben, in Teamarbeit mit zwei Bekannten aus der Kölner Filmszene. Ich habe leider nie „etwas damit gemacht“ (eine meiner Spezialitäten; der Schaffensprozess scheint mein Schicksal zu sein, nicht unbedingt das Ernten seiner Früchte).

Daher sah ich neulich folgende Ankündigung im hiesigen Kino am Hasetorwall mit gemischten Gefühlen:

IMG_2946

Und darum sei es mir verziehen, wenn ich hier unsere – Marens, Christians und meine – Version des „Lebens der Lou“ zur Verfügung stelle – vor Veröffentlichung des Films – für alle Fellow-Lou-Fans (und solche, die es werden wollen).

Schade…ich hätte sie zu gerne verfilmt gesehen. Wer weiß, vielleicht geschieht das irgendwann doch noch? Viel Spaß beim Lesen und Miterleben auf jeden Fall – auf der inneren Leinwand. Film ab! (Wer davor noch über die fun facts speed-readen mag: Voilà, ein Oldie but Goldie!)

*

LIEBE LOU

Der Anfang:
Das Bild ist schwarz. Einblendung: Marschgeräusche, Stiefel auf Asphalt. Wir folgen einem Hitlerjugendaufmarsch durchs naziverseuchte Göttingen 1935, hier und da Hakenkreuzfahnen. Kamerafahrt zum Haus auf dem Hainberg, an Lous Klingelschild mit ihrem Namen und der Aufschrift „Psychoanalyse“ hinein in ihre Villa, vorbei an Fotos/Werken von relevanten/geliebten Personen, die in ihrem Leben/im Film vorkommen (Nietzsche, Rilke, Freud; aber auch Strindberg, Hamsun, Wedekind etc…), und der liebevoll/bohèmehaft-nachlässigen Einrichtungen mit vielen russischen Ikonen und Plastiken sowie „entarteter“ Kunst hinauf in ihr mit blauem Tuch ausgeschlagenes Zimmer, dessen Boden mit Bärenfellen bedeckt ist. Fahrt auf die alte Lou, die im Bett liegt, eine große Standuhr tickt hörbar, beim close-up ihrer sich schließenden blauen Augen wird das Bild schwarz.
Über dem Schwarzbild und der tickenden Uhr hören wir eine Stimme aus dem

OFF: LOU (fünfundsiebzigjährig)
An einer kleinen Erinnerung wird die Methode, womit ich Zweifel abgehalten haben
mag, plausibel…

Verschwommene Musik (Walzer, Polka?), wird langsam lauter, kommt näher.
Aufblende. Wir befinden uns im Generalitätsgebäude, gegenüber des Winterpalais in St. Petersburg, und schreiben (eingeblendet) das Jahr 1869. Wir sehen die kleine, blond gelockte Louise freudestrahlend auf ihren Vater zu rennen.

LOUISE (achtjährig)
Papa! Papaaa!!

Gustav von Salomé, 65, General des Zaren (breitschultrig, groß gewachsen, ein warmherziger Aristokrat mit straffer Haltung) schreitet die Treppe hinunter, setzt sich die Kleine auf die Schultern und dreht sich mit ihr im großen Ballsaal wild im Kreis.

GUSTAV
Dorogaja moja! Ich habe dir etwas mitgebracht, das ist fast so schön wie du!

Louise quietscht vergnügt, als sie abgesetzt wird, und hopst aufgeregt auf und nieder, während Gustav in seinen Manteltaschen kramt und schließlich ein Knallbonbon zu Tage fördert. Er kniet sich vor sie und überreicht es mit feierlicher Miene.

GUSTAV
Schau, Ljolja, der Zarewitsch persönlich lässt dir das hier geben.
LOUISE
(staunt abwechselnd das Mitbringsel und ihren Papa bewundernd an)
Mein Papa…du bist der Beste, Liebste…da sind doch goldene Kleider drin, nicht?
GUSTAV
(lacht)
Nein, Ljolja, goldene Kleider sind das nicht ganz; sondern welche aus Seidenpapier –
LOUISE
(schaut enttäuscht)
GUSTAV
…aber sie haben goldene Rändchen.
LOUISE
(runzelt kurz die Stirn, überlegt, steckt dann das Knallbonbon sorgfältig in ihre
Rocktasche)
GUSTAV
Willst du sie denn nicht sehen?
Über dem ernsten Gesicht Ljoljas, die entschlossen den Kopf schüttelt, aus dem
OFF:
LOU
Da ließ ich es lieber ungeknallt. So blieben für mich darin gewissermaßen doch
goldene Kleider!

Kamera fahrt in das Auge Louises hinein; ohne dass man den Schnitt sieht, Überblende in das Auge der vierundsiebzigjährigen Lou und in die:

Rahmenhandlung
Wir schreiben das Jahr 1935. Im Göttinger „Loufried“ lässt sich die todkranke Lou Andreas-Salomé von Ernst Pfeiffer, dem Freund ihrer letzten Jahre, noch einmal aus ihrem «Lebensrückblick» vorlesen bzw diktiert ihm letzte Kapitel.
Bettlägerig, starrt ins Leere, mit demselben feierlichen Ausdruck in den Augen wie
Ljolja. Darüber aus dem OFF :

PFEIFFER
Lou…Lou? Die Druckfahnen sind hier! Wollen Sie sie nicht sehen?
LOU
(sichtlich aus ihren Erinnerungen auftauchend)
Was denken Sie denn, Pfeiffer?
Wissen Sie…ich bin Erinnerungen treu für immer;
Menschen werde ich es niemals sein.
PFEIFFER
(lächelt, setzt erst ein Tablett mit Druckfahnen und Teegeschirr ab und dann sich nah
auf einen Stuhl neben Lous Bett. Wird plötzlich sehr ernst)
Da gibt es noch etwas, was Sie sehen müssen…das andere Buch…
LOU
(nachdenklich, fast schuldbewusst)
Oh weh…was hat der alte Drachen nun wieder angerichtet?
PFEIFFER
(erst etwas betreten, als er den Schmerz in ihrem Gesicht bemerkt; dann geschäftig
Tee eingießend)
Sollen wir ein paar von diesen Erinnerungen auffrischen? Sie wollten doch, dass wir
die Druckfahnen durchgehen…
LOU
(ihre halb blinden Augen, wie in weite Ferne schauend, kommen ins Jetzt zurück,
lebhaft)
Aber sicher, Pfeiffer, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!
Aus dem OFF dringen die Kommandotöne eines Hitlerjugend-Aufmarsches
…jedenfalls nicht, wenn es nach denen geht.

Teil 1: Lous Heranwachsen, Dreiergestirn mit Nietzsche, Rée. ca. 30 min.
Abhängigkeit (Mutter) & Unabhängigkeit (Männer), Gottlosigkeit (Ur-Schock),
Abstinenz (Wissenschaft vs. Seelenleben) – SUCHE / PHILOSOPHIE
Der Gottesverlust
Ljolja baut mit Dienstboten ein Schneemannpärchen im klirrend kalten St. Petersburger Winter. Jeden Tag schaut sie nach ihm, es wird klar, dass sie die beiden heiß und innig liebt. Eines frühlingshaften Morgens ist von den beiden nichts übrig als Mütze und Schal. Das Kind ist verzweifelt; ein Dienstbote macht einen Scherz über die Auflösung zweier Menschen. In abendlichen Gebeten bleiben die Fragen der Kleinen an Gott hinsichtlich des Schicksals der Schneemenschen unbeantwortet. Vor ihrem Bett kniend, gibt Ljolja schließlich sichtlich ihren Glauben auf – sie fegt ihre Lutherbibel auf den Boden und murmelt, dass, wer keine Antwort gäbe, auch nicht existiere. Dass er tot sei.

FREUD (aus dem OFF)
Gott ist tot…meine liebe Lou, das erinnert mich an…
Überblende in die Berggasse in Wien, 1913: man sieht Lou auf der Couch liegen;
Freud hört man nur. Wir können die beiden aber auch nur aus dem OFF hören.
…aber vielleicht ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen, über ihn zu sprechen?
LOU
Da könnten Sie durchaus recht haben, Herr Professor. Vielleicht greife ich vor. Aber
es ist nun einmal das Religiöse, der zutiefst verwurzelte Glaube, der uns am meisten
verband – und seltsam, im gleichen Jahr verloren wir ihn…1869 wars, wenn ich mich
recht entsinne, er war Militärkadett in Leipzig und hatte einen allzu
temperamentvollen Gaul…

Reitunfall Nietzsches/Das Gespenst tritt auf
Zu Schuberts „Ave Maria“ sehen wir den Reitunfall des jungen Nietzsche. Ein- und Ausblenden: verwirrte Fieberträume in rascher Folge; er liegt zu Bett, bekommt Morphium, mal ist es Tag, mal Nacht. Dann sehen wir zu, wie er, sich ständig gehetzt nach hinten umblickend, in sein Notizbuch kritzelt, in der dunklen Kammer bei wild flackernder Kerze die fast blinden Augen sehr tief über das Papier gebeugt: „Was ich fürchte, ist nicht die schreckliche Gestalt hinter meinem Stuhl, sondern ihre Stimme: auch nicht die Worte, sondern der schauderhaft unartikulierte und unmenschliche
Ton jener Gestalt, ja, wenn sie doch redete wie Menschen reden…“.

Dies wird die Leitidee, das immer wiederkehrende Motiv bzw. die Motivation der Figur „Nietzsche“: die grundsätzliche Angst vor der undurchdringbaren Stille der absoluten Einsamkeit eines jeden von uns. Seit dem Bruch mit Lou und Ree ist N. getrieben von dieser Gestalt – und modelt sie später, nach dem Vorbild Lous, zum Übermensch-Gespenst um, die, ‘ich kann es nicht leugnen, die personificierte Philosophie meines Bruders ist: dieser rasende Egoismus der alles niederstößt was ihm in den Weg kommt und diese vollständige Morallosigkeit’ (O-Ton Lisbeth Nietzsche).

LOU (aus dem OFF)
Schauen Sie, Herr Professor, so seelenverwandt waren wir, sowenig zuhause in der
wirklichen Welt, dass das Unheimliche unser beider Schicksal wurde…

Gottesverlust II
Im Konfirmationsunterricht entgegnet die siebzehnjährige Louise ihrem
Konfirmationspfarrer, als der behauptet, Gott sei immer und überall gegenwärtig, in
der merkwürdig kalten Leidenschaft, die sie von nun an auszeichnet, dass es sehr
wohl einen gottlosen Ort gebe: die Hölle nämlich, als „einen Ort der Vereinsamung,
wo wir selbst uns entwendet werden, also zwiespältig werden, also nicht einmal mehr allein, sondern in der Gesellschaft des Unheimlichen sind.“

Begegnung mit Gillot
Louise hört eine Predigt, in der Gillot die Religion als geschichtliches Phänomen
betrachtet. Ein Schlüsselerlebnis für Louise: ihres sinnstiftenden Kindheitsgottes
beraubt, hatte sie sich aufs Phantasieren und Erfinden verlegt (hier Rückblenden auf
andere Szenen, wie sie vor dem Einschlafen den Tag in Geschichten weiterspinnt).
Nun bietet sich ihr die Möglichkeit, die anstrengende Allmachtsgebärde der
Schöpferin abzustreifen und dennoch wieder ein sinnstiftendes Ganzes als Korrektiv
einer ins Beliebige zerfallenden Welt zur Hand zu haben: den Entwurf von Denk-
Systemen. Auf zahlreichen Spaziergängen an der Newa und in der Lernstube
diskutieren sie und Gillot Religionsphilosophie.

Gottesverlust III
In einer ihrer Schulstunden – sie lesen gerade Kierkegaard – wird deutlich, dass
Gillot rettungslos in die unschuldig-begeistert lesende Siebzehnjährige verliebt ist. Es
platzt aus ihm heraus, er erklärt sich, Louise rennt verstört davon.
Überblende in eine Kapelle in Holland, es sieht zunächst aus wie eine Hochzeit:

FREUD (aus dem OFF)
Sicherlich ein Reifehemmnis, meinen Sie nicht?
LOU (aus dem OFF)
Sicher…aber gerade infolge von diesen Reifehemmnissen hatte mir die unvollendete
Liebeserfahrung einen unwiederholbaren, durch nichts zu überbietenden Zauber
behalten, eine Unwiderleglichkeit, die sich die Probe auf das Leben ersparte. Er blieb
für mich das, was meine Empfindungen aus ihm machten.

Konfirmation Lous
Nun wird klar, dass es sich um Lous Konfirmierung handelt. Dennoch wie eine Braut
wirkend steht sie vor Gillot, der die Worte aus Isaja spricht: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“
Bilder aus Rom/darüber (aus dem OFF?) der Rahmen: Lou sagt, von da ab sei sie
Geschöpf gewesen, wie sehr, beginne sie erst zu verstehen; und dass sie den
Namen, den er ihr gab, in der Tat heute noch trage.
Freud und Lou unterhalten sich darüber, dass Lou konfirmiert werden musste, um
auszureisen; und dass es nun, nach einem 2jährigen Zürcher Studienaufenthalt, wo
sie sich so in die Bücher gestürzt habe, dass ihre Gesundheit sehr gelitten habe, des
Klimas wegen in die ewige Stadt ginge, wo sich schicksalhafte Begegnungen
abspielen sollten.
Hier sollte, wenn möglich, ein weiteres großes Motiv impliziert / angerissen werden:
Schicksal vs. Zufall. Man könnte Lou, mutwillig und spielerisch wie immer zu jener
Zeit, das nächste Reiseziel erwürfeln lassen…dies ürde dazu passen, dass sich ja
auch N. erst ziert, wie angekündigt nach Rom zu reisen, und es der Überredung
Rees bedarf.

Treffen Lou/Ree bei Malwida
Rom, März 1882. Stets unter den kränklich/argwöhnischen Augen der Louise von
Salome senior – einer kalten Frau, die ihre Tochter zeitlebens nie umarmt – ergeht
man sich in den literarischen Salons der Idealistin v. Meysenbug in Diskussionen der
Frauenfrage. Mit dem positivistischen Philosophen Ree unternimmt Lou erste
nächtliche Spaziergänge durchs frühlingserwachende Rom, begeistert sich seine
Ablehnung konventioneller Moralvorstellungen aneignend. Sie ist wie ein Schwamm, ihr Enthusiasmus aber gleichzeitig auch ihr Gegenüber inspirierend.
Hier unbedingt erste Schlüsselzitate, die Lou als Immoralistin/Individualistin
kennzeichnen („Aber ich selber weiß doch nur was von ‚Ich’…“)!
Rahmen: Freud unterstellt Lou, dass da eine Sexualisierung des Denkens
stattgefunden haben müsse. Lou gibt dies zu; betont aber ihre reine Gier nach
Wissen, und ihre Unwissenheit über ihre Wirkung zu der Zeit (glauben wir ihr?);
besonders in Bezug auf die Tragödie, die sich alsbald entspinnen sollte…von alledem
habe sie ja erst hinterher durch Ree erfahren.

Columbus auf Beutezug
Musik einblenden: Bizets „Carmen“, die er gerade (Nov. 1881) erstmals gehört hat.
Ein heller Sommertag in Messina. Nietzsche spaziert im gleißenden Sonnenlicht am
Strand. Es ist seine „gesündeste“, ausgeglichenste Phase: gerade hat er die
„Fröhliche Wissenschaft“, sein optimistischstes Werk, fast abgeschlossen. Er ist in
der Stimmung, sich zu verlieben! Er wandelt die Promenade entlang und liest laut
aus einem Brief Paul Rees, der ihm von Lou erzählt und ihn zu Malwida von
Meysenbug nach Rom einlädt, wo sie sich alle aufhalten. N. murmelt: „Diese junge
Russin…nach dieser Gattung von Seelen bin ich lüstern. Ja…ich werde demnächst
auf Raub darnach ausgehen!“ Schaut abenteuerlustig aufs Meer hinaus. Wir folgen
seinem Blick.

Treffen in der Peterskirche
Staubkörner tanzen in Sonnestrahlen. Unwirklich-heilige Atmosphäre, die das
gemeinsame religiöse Leitthema der beiden aufgreift und verstärkt. Der halbblinde N. ruft ins Halbdunkel hinein (unklar, an wen genau er sich richtet): „Von welchen
Sternen sind wir uns hier einander zugefallen?“ Lou wirft Ree einen amüsiert-spöttischen Blick zu, bleibt N. gegenüber distanziert. Ree, gerade an einem Stehpult
etwas weiter weg arbeitend, schaut auf und freut sich ehrlich.

Das Dreigestirn in Rom (mehrere Szenen)
Lange nächtliche Spaziergänge durch Rom folgen, im Sinne einer Sexualisierung
des Denkens, das die Psychoanalyse kennt (a là „Mädchen mit dem Perlenohrring“!).
Schnitte zwischen verschiedenen Konstellationen des Dreigestirns: mal Lou mit N.,
mal mit Ree, mal hitzige, hochfliegende Diskussionen, mal stummes Einvernehmen –
es wird von Mal zu Mal in einer Art Crescendo, das auf einen Höhepunkt drängt
(passende Musik??), deutlicher, dass sich beide Männer in sie verlieben. Es muss
jeweils die Luft brennen zwischen den beiden; wie bei Gillot muss man mit dem
jeweiligen Verliebten fast schmerzhaft an Lous Schönheit und Geist leiden, kleine
Berührungen erhaschen wollen (subtile Bilder vonnöten hier!!); dies in starkem
Kontrast zu ihrer INNOCENCE, also Unschuld im Sinne von Unwissen über derlei
Dinge. Auch in Spaziergängen N.s mit Ree alleine bzw. aller drei zusammen wird die
Veränderung deutlich: waren sie anfangs noch sehr vetraut, herzlich und neckend
miteinander, fangen N. und Ree nun an, sich gegenseitig ernsthaft herauszufordern
und mit kleinen Spitzen zu verletzen.

Die ersten Heiratsanträge (comic relief!!)
Ree übermittelt erst Nietzsches Heiratsantrag, dann seinen eigenen. Lou lehnt ab,
erklärt aber dem verständnisvollen Ree lange und liebevoll ihre Bemühungen um
Freiheit und Unabhängigkeit.

Reise- und Lebenspläne
Ende dieses Abschnitts: Szene im gleißenden Sonnenschein am Trevi-Brunnen, Lou
in der Mitte, das Schmieden gemeinsamer Lebens- (platonisch-intellektuelle Dreier-
WG in Wien) und Reisepläne.

Rahmen (wie auch immer; Lou 1913 bei Freud oder aber 1935 in Loufried ODER
1901 nach der Nachricht von Rees Tod; oder aber aus dem OFF, während
Kutschfahrten über holprig-steile Alpenstraßen gezeigt werden. Blicke fliegen nur so
in der Kutsche umher…erste Bilder vom unwirklich-verzauberten Ortasee werden
eingeblendet über:)

LOU
Wie viel von dieser Sonne lag auf unsern römischen Spaziergängen und
Plaudereien, wie viel auf der Orta-Idylle mit ihren Kahnfahrten und ihrem monte
sacro mit seinen Nachtigallen, wie viel auf jener Schweizer Reise durch den
Gotthard, auf den Tagen von Luzern…

Lou erzählt, schreibt dies in der Neujahrsnacht 1883 in einem Brief an Ree; daher
könnte man die ganze Rom-Episode doch als Rückblick unmittelbar nach seinem
Tod bringen?

Orta
In der Sommerhitze der oberitalienischen Seen verabschieden sich Lou und N., um
den Monte Sacro (religiöses Thema!!) gemeinsam zu bewandern. Sie lassen Ree
und Louise senior unbegeistert in einem Cafe in Orta zurück. Als sie zurückkehren,
ist es bereits dunkel. Salome senior vorwurfsvoll/leidend, Ree gereizt, fast zitternd
vor Sorge/Eifersucht. Lou unbeschwert und keck wie immer, vielleicht eine Spur zu
sehr; auch N. zeigt keinerlei Schuldbewusstsein. Er ist noch ruhiger als sonst, seine
Miene undurchdringlich, nur seine Augen leuchten.

Luzern
Das merkwürdige Gruppenphoto mit Lou auf einem Leiterwägelchen mit einer Art
Peitsche in der Hand, N. und Ree davor als „Pferde“ eingespannt, wird auf N.s fast
hysterisch-überdrehtes Betreiben hin aufgenommen: Ree weigert sich zunächst; er
hasst sein Gesicht. Lou ist amüsiert, aber immerhin passiver als sonst. Nietzsche in
Fahrt ist eben doch unwiderstehlich!

Der zweite Antrag
Am Luzerner Löwengarten allein mit Lou, nimmt N. später all seinen Mut zusammen (wir wissen nun, warum er gar so überdreht war) und macht Lou einen (relativ missglückten, unbeholfen-unromantischen) Heiratsantrag. Sie lehnt bestimmt, aber höflich ab; erklärt einmal mehr, worum es ihr geht und dass sie ihre Apanage nicht verspielen will! N.s Gesichtszüge entgleisen im Schmerz. Wir leiden mit ihm. Ganz verändert ist er aber noch nicht; es gibt ja immer noch die Hoffnung auf die Pläne, zusammen zu leben.

Bayreuth
Große Schlüssel- bzw. sogar Anfangsszene: Wagner-Festspiele. Lisbeth und Lou
treffen erstmals aufeinander, nachdem Lis bereits die Schwärmerei ihres Bruders
von der „jungen Russin“ mehr als satt hat. Sie, sein treues „Lama“, geltungssüchtig
und intrigant, hasst es, wie die vor Geist und Lebenslust überschäumende Lou bei
den Wagnerianern, inklusive dem Meister selbst, völlig im Mittelpunkt steht, während sie (ihr Bruder hat sich bereits mit Wagner überworfen) wenig bis gar keine Beachtung findet; als Zuschauerin an den Rand des Geschehens verbannt ist. Und das einer Nietzsche, der Schwester des größten deutschen Philosophen! Man gibt den Parsifal – mit der Musik arbeiten (geeignete Leitthemen?), um die beiden Frauen als Antagonisten herauszuarbeiten.

Idee zur Schlüsselszene: Wagner kommt auf Lis zu, um sie zu begrüßen. Eitel und
selbstsicher schickt sie sich an, einen Knicks (oder was auch immer?!) zu machen,
als der Meister, sie ignorierend, die hinter ihr stehende und bereits von Männern
umringte Lou ansteuert und regelrecht umwirbt.
Hier muss der Übergang zu Tautenburg/Leipzig/Berlin zeitlich abgeglichen werden.
Wer ist wann wohin gefahren? Notwendig, um sowohl Tautenburg (3 Wochen, in
denen Lou & N sich förmlich tot sprechen, als auch Leipzig (allerletztes Wiedersehen
des Dreigestirns; N.s Hoffnung auf Zusammenleben werden endgültig zerschlagen;
er wird sehr ausfallend, die beleidigenden Briefe an Ree und Salome beginnen,
angestachelt von Lis’ Lügen) abzufrühstücken – vielleicht in einem Brief an Ree?

Berlin
Lou lebt mit Rée (gemeinsames Studierzimmer mit Blumen und Büchern). Andreas
taucht in Lous Leben bzw. in ihrer Wohnung auf. Es kommt zum Zerwürfnis.
Dramatische Szenen und Streit zwischen Nietzsche/Rée/Lou??
Der erste Teil endet in der Szene, in der Andreas vor Lou steht und sich das Messer
in den Bauch jagt. Gleichzeitig sehen wir Rée, der an einem Tisch eine
Rotweinflasche fallen lässt. (Hat er getrunken?)

Teil 2: Lou und Rilke

EROTIK / POESIE
Beginnen im Hause Andreas/Salome. Das Eheleben. Wie Lou Andreas
zurückweist. „Alterchen/Töchting“.
– Lou im Arbeitswahn; die Arbeit an Nietzsches Philosophie.
(Ein Leben voller Traurigkeit – eher kurz gefasst, in ein paar Szenen nur dargestellt.)
Um es nicht zu lang werden zu lassen, sollten wir uns mehr oder weniger schon im
Jahr 1897 befinden.
Vielleicht – um die Entfremdung von Andreas zu zeigen – packt sie einfach ihre
Koffer, geht ohne ein Wort aus der Wohnung, Andreas bleibt traurig zurück – schaut ihr nach. Das Reisen macht sie glücklich. Sie steigt ‚fröhlicher‘ in eine Kutsche. Als sie aussteigt, sind wir in München, wo ihr Rilke vorgestellt wird.
– Szene, in der Rilke mit Rosen durch die Stadt läuft, in der Hoffnung, sie irgendwo
zu treffen.
– erst belächelt Lou Rilkes Werke. Nach und nach verfällt sie ihm fast so wie er ihr.
– Zusammenleben in Berlin – mit Rilke und Andreas
– Die Russlandreise mit Andreas eventuell raus lassen, wenn das Leben
zu dritt schon in Berlin & Wolfratshausen gezeigt werden kann.
– Russlandreise mit Rilke alleine – der nicht jugendfreie Teil! :o)
– Lou lässt Rilke alleine – er kommt damit überhaupt nicht klar. Rilke wird hysterisch.
Lou macht sich Sorgen, stößt auf die Hysteriestudien von Freud und Breuer.
– Rilkes Empfindlichkeiten. Er konfrontiert Lou mit seinem Streben, so wie sie sein zu wollen. – Es kommt zu dem Bruch der beiden.
– Nietzsches Tod 1900 und Lous Reaktion
– Rées Tod 1901 und Lous Reaktion
Der Teil endet mit dem ‚Letzten Zuruf‘. Als Offstimme original gesprochen – Freud
oder Lou, jedenfalls der Rahmen übernimmt dann.
Hier sollte evtl. noch ein dritter Teil, also ab 1913, aufgemacht werden – nur
wie? Auf jeden Fall wäre es wichtig, noch Dinge wie den 1. Weltkrieg, die
Tätigkeit als Analytikerin und die beginnende Nazizeit (samt Elisabeths
komplettem Durchdrehen) wenigstens anreißen zu können.

Sterbeszene Lou
1937, „Loufried“ in Göttingen. Kerzen brennen, draußen pfeifft der Februarwind. Die fünfundsiebzigjährige Lou liegt müde in ihrem mit blauem Tuch ausgeschlagenen Zimmer, dessen Boden mit Bärenfellen bedeckt ist, im Bett. Sie lässt sich von Pfeiffer ein wenig aus ihrem Lebensrückblick vorlesen, stellt ihm oder vielmehr sich die Schlüsselfragen: «Wenn ich zurückblicke, sehe ich keinen Menschen», und: «Ich habe mein ganzes Leben lang eigentlich nur gearbeitet, und schwer gearbeitet.
Warum eigentlich. Wozu eigentlich?» Wie verwundert schließt sie die Augen.
Pfeiffer verlässt das Zimmer, schließt die Tür sanft hinter sich. Lou dämmert vor sich hin, der Ausdruck ihres Gesichts zeigt Bedauern, wir sehen ihn in close-up im
Wechsel mit fetzenartigen Schlüsselpersonen und Szenen (mit Freud, Andreas,
Rilke, Nietzsche, Ree) des Films.

Schließlich entspannt sich ihre Mimik und zeigt denselben Ausdruck wie den des
kleinen Mädchens in der Anfangsszene, ernsthaft und feierlich.
Verschwommene Walzermusik erklingt gespenstisch, dieselbe wie eingangs des
Films. Sie wird lauter, Überblende in den Ballsaal des Generalitätsgebäudes, wo die
kleine Ljolja alleine Walzer tanzt. Sie lächelt verklärt und trägt ein wunderschönes
goldenes Ballkleid.

THE END


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hol Dir hier die neusten Artikel und Angebote ins Haus!Wortgewidder Newsletter